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DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN

Sergej Prokofjew

Inszenierung | Licht Sebastian Ritschel
Musikalische Leitung Golo Berg
Ausstattung Sebastian Ritschel (K) | Sven Stratmann (V) | Pascal Seibicke (B-Entwürfe)
Dramaturgie Ronny Scholz
Choreinstudierung Joseph Feigl
 
Premiere 06. April 2019 | Theater Münster

Besetzung

König Treff Stephan Klemm
Prinz Garrie Davislim
Prinzessin Clarice Chrysanthi Spitadi
Leander | 2. Arzt Gregor Dalal
Truffaldino Pascal Herington
Pantalone | Herold Filippo Bettoschi
Tschelio Christoph Stegemann
Fata Morgana Kristi Anna Isene
Linetta Suzanne McLeod
Ninetta Marielle Murphy
Köchin | Farfarello | 3. Arzt Michael Zehe
Smeraldine Kathrin Filip
Zeremonienmeister | 1. Arzt Youn-Seong Shim
   
  Opernchor des Theaters Münster
  Extrachor des Theaters Münster
  Statisterie des Theaters Münster
  Sinfonieorchester Münster

Rezensionen

Thomas Hilgemeier - www.theaterpur.net

Hochst vergnüglicher Opernabend

Was macht einen wirklich gelungenen Theaterabend aus? Bietet ein Drama, eine Tragödie gar die höchste Erfüllung? Oder ist es doch eine Farce, ein Boulevardstück vielleicht? Darüber streitet der in Gruppen dividierte Chor gleich zu Beginn. Doch was auch immer stimmt: im Theater Münster kommt jeder auf seine Kosten. […]

Den Weg dahin erzählt Sebastian Ritschel, Operndirektor an den Sächsischen Landesbühnen, in einem von Anfang bis Ende höchst vergnüglichen Opernabend mit riesiger Lust an Überzeichnung und an Farbe. So wogt der Chor als orangenes Meer über die Bühne. Die ist ein Spielcasino mit einem riesigen Spielautomaten als Hintergrund und einem Pokertisch für Zauberer-Spiele. Bestechend aber vor allem: alles ist ständig in Bewegung. Nie herrscht Stillstand. Nie aber auch gibt es überflüssige Bewegungen. Denn unglaublich perfekt setzt Ritschel Prokofjews Musik, die so facetten- wie anspielungsreich daher kommt, in Bewegung um, mit einer Präzision die staunen macht und pures Vergnügen bereitet. Und so wird das Publikum hereingezogen in den Sog des Bühnengeschehens, lässt sich mitreißen bis zum Schluss - auch von Prokofjews Musik. […]

Begeisterter Applaus des Publikums ist die logische Konsequenz eines wirklich komischen Abends, der in Münster sicher jede Menge Zuhörer*innen finden wird.

 

Anke Schwarze - Westfälischer Anzeiger

Herrlicher Blödsinn

DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN ist eine Opern-Parodie von Sergej Prokofjew. Sebastian Ritschel macht daraus am Theater Münster dank gut platzierter Übertreibungen einen herrlichen Blödsinn. Die Parodie bezieht ihren Witz aus dem Zusammenspiel von wagnerianischem Pathos im Orchestergraben und einem Bühnengeschehen, das dramatische und lyrische Opernmomente ins Lächerliche zieht. Diese Momente noch weiter zuzuspitzen, mit pantomimischen Gehabe, grotesken Chortänzen und schrillen Kostümen, darauf zielt Ritschel ab. […]  Eine dynamische Figurenführung unterstreicht Prokofjews dialogreiches Parlando. Pointiert werden hier der Opernchor und der Extrachor des Theaters eingesetzt. […]

Ein toller Klamauk ist in Münster Sergej Prokojews Opernparodie DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN. Solisten, Chor und Orchester mantels sich gern zu großer Geste auf, garantiert ohne Erfolg. […] Regie und Ausstattung sorgen für ein großes Vergnügen.

 

Harald Suerland - Westfälische Nachrichten

Alles auf Orange

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei Und warum sollte, was fürs Märchen gilt, nicht auch für den Spielsalon gelten? […] Daraus entsteht in Münsters Großem Haus kein grauer Alltagsrealismus, sondern im Gegenteil knallbuntes Amüsement mit Glitzerkostümen. […] „Enjoy the show“, heißt zu Beginn. Der musicalgestählte Regisseur setzt auf eine bewusste Überzeichnung der Typenparade und auf jene Effekte, die im Film Mickey-Mousing genannt werden. […] Und was Inna Batyuk und Joseph Feigl an umfangreichen Chorparts erarbeitet haben, hat den Regisseur für die Arbeit mit dem riesigen orangefarbenen Pagen-Kollektiv sichtlich beflügelt. […] Mit zweieinhalb Stunden quirlig-bunter Unterhaltung beweist das Theater Münster, dass auch im Musiktheaterrepertoire immer noch Entdeckungen zu machen sind.

 

Hans Rochel - Die Glocke

Gewitzt und Clever

Vor fast 100 Jahren von Sergej Prokofjew für die Welt des Musiktheaters geschaffen, pendelt die Oper DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN seither zwischen Märchenzauber und Wahrheit. Sebastian Ritschel hat sie in seiner Neuinszenierung für das Theater Münster in deutscher Übersetzung aufbereitet, sodass das gefesselte Publikum am Samstagabend schlussendlich stehend applaudierte. […] Sebastian Ritschel erzählt das Geschehen auf einer ins Auge stechenden Bühne nach Entwürfen von Pascal Seibicke gewitzt und clever, beschleunigt das Spiel rasant: er hält das spielfreudige Ensemble einschließlich eines bestechenden Doppelchors in Atem, reißt es mit. […] Zuvorderst mit Stephan Klemm (König Treff), Garrie Davislim (Prinz), Pascal Herington (als Spaßmacher Truffaldino eine Augenweide), Christoph Stegemann (Celio), Kristina Anna Isene (Fata Morgana) und Michael Zehe (sowohl ausstaffierte Köchin mit Bassstimme als auch Teufel) löst die bestens aufgelegte Sängertruppe überdies schauspielerisch reichlich Abwechslung und Vergnügen aus.

 

Ursula Decker-Bönninger - www.omm.de

Wir wollen lachen und nicht denken

Sebastian Ritschel, der auch für die aufwendige Kostümierung verantwortlich zeichnet, verortet das Märchen im Casino. Gleich zu Beginn wirft man einen Blick auf Spielautomaten in Glühbirnen gerahmten Guckkästen, die auf eine Extrabühne gestellt sind. Der Prinz sitzt in Rückenansicht, einsam am einarmigen Banditen, während der Vater die Spielsucht des Thronerben beweint. Weder medizinische Versuche noch die Unterhaltung bei Hofe vermögen es, den jungen Mann von seiner „hypochondrischen Depression“ zu heilen. […]

So gelingt den Gesangssolisten, dem Chor und Extrachor des Theater Münster sowie dem Sinfonieorchester Münster unter der Leitung Golo Bergs ein rhythmisch bewegtes,  Klamauk akzentuierendes Spiel. Passend auch das kontrastierende Mouth-Drumming zur Tanzeinlage Truffaldinos. Besonderen Applaus erhielten Chor und Extrachor für ihre homogene, textverständliche, schauspielerisch aufgelockerte Darbietung. Ebenso Pascal Herington als Truffaldino. Er begeisterte das Premierenpublikum nicht nur gesanglich sondern auch mit Tanz und Entertainment. Stephan Klemm verleiht dem leidenden Vater den notwenigen ironischen Touch. An seiner Seite singt und spielt überzeugend Filippo Bettoschi den Vertrauten Pantalone. Garrie Davislim verleiht dem Prinzen jugendliche Frische.

 

Sigi Brockmann - www.onlinemerker.de

Lebendiges Musiktheater

Scherz, Satire, Ironie (Zitat nach C. D. Grabbe)  zeigen sich schon im Titel und prägen auch den Inhalt der Oper DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN von Sergej Prokofjew auf einen französischen Text des Komponisten nach Carlo Gozzis gleichnamigem der Commedia dell’arte nachempfundenen Märchenspiel. […] In der deutschen Übersetzung von Werner Hintze inszenierte Sebastian Ritschel. Die auch von ihm entworfenen Kostüme sowie das Bühnenbild nach Entwürfen von Pascal Seibicke passten zu einer Art Spielcasino, wie wir es uns etwa im Las-Vegas der Zeit der Uraufführung der Oper 1921 vorstellen. […]

Nachdem die Aufführung mit dem beleuchteten Schriftzug Jackpot  oben rechts auf der Bühne als Zeichen des glücklichen Ausgangs endete, gab es großen Beifall mit Bravos für die Hauptdarsteller, den Dirigenten und das Orchester, dann auch für das weitere Leitungsteam.