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MY FAIR LADY

Frederick Loewe

Inszenierung | Licht Sebastian Ritschel
Musikalische Leitung Christian Garbosnik
Ausstattung Sebastian Ritschel | Barbara Blaschke
Choreografie Radek Stopka
Dramaturgie Ronny Scholz
Choreinstudierung Thomas Runge
 
Premiere 26. Januar 2019 | Staatsoperette Dresden

Besetzung

Prof. Henry Higgins Marcus Günzel | Axel Köhler
Eliza Doolittle Olivia Delauré | Anna Preckeler
Alfred P. Doolittle Elmar Andree | Markus Liske
Oberst Pickering Christian Grygas | Nikolas Gerdell
Mrs. Higgins Ingeborg Schöpf | Bettina Weichert
Freddy Eynsford-Hill Andreas Sauerzapf | Johannes Strauß
Mrs. Pearce Silke Fröde
Harry Gerd Wiemer
Jamie Herbert G. Adami
Zoltan Karpathy Dietrich Seydlitz
Mrs. Eynsford-Hill Anne Schaab
Erster Straßenkünstler Hauke Möller | Michael Kuhn
Zweiter Straßenkünstler Andreas Sauerzapf | Johannes Strauß | Christian Berger
Dritter Straßenkünstler Lukas Anton | Bryan Rothfuss
Vierter Straßenkünstler Nikolaus Nitzsche | Andreas Pester
Major Domus Hans-Jürgen Wiese
   
  Chor der Staatsoperette
  Ballett der Staatsoperette
  Orchester der Staatsoperette

Rezensionen

Boris Michael Gruhl - MDR

MY FAIR LADY an der Staatsoperette ist grandios

Für die zeitgemäße Neuinszenierung dieses Musical-Klassikers wünschte sich Wolfgang Schaller den Regisseur Sebastian Ritschel. Dass Ritschel es versteht, sogenannte Klassiker zeitgemäß auf die Bühne zu bringen, hat er mehrfach gezeigt, an der Staatsoperette zum Beispiel mit "Die lustige Witwe" oder im Kraftwerk Mitte mit "Die Dreigroschenoper". Gerade wurde er mit dem Operetten-Frosch des Bayerischen Rundfunks ausgezeichnet für seine Inszenierung der Operette "Polnische Hochzeit" an der Oper in Graz.

Ritschel, der auch gemeinsam mit Barbara Blaschke die Ausstattung entworfen hat, nutzt die Möglichkeiten des Theaters bestens: im Nu sind wir von der Straße im Londoner Nobelviertel im überdimensionierten Arbeitsraum des Professors, der da auf einem beleuchteten Stufenpodest auf dem Gipfel eitler Selbsterhöhung residiert, ohne jede Bodenhaftung. […]

Und schon glänzen die Roben auf dem Botschaftsball, wo Eliza alle Blicke auf sich lenkt: eine überirdische Prinzessin, ein Kunstwerk im Fantasiekleid, deren Reifrock aus leuchtenden Neonröhren besteht. Die Wette ist gewonnen, Higgins hat aus der Blumenverkäuferin eine Prinzessin gemacht, ein Kunstwerk nach seinem Bilde – von der Kunst aber, ein Mensch zu sein, ist er weit entfernt. […]

Ritschel inszeniert, und hier muss auch Christian Grygas als vermittelnder Oberst Pickering genannt sein, was es bedeutet das Alphabet der Menschlichkeit durchzubuchstabieren. Die Dialoge sind glaubwürdig inszeniert, sie gehen über in die Musik, das Spiel ist immer choreografisch grundiert, natürlich ein großes Verdienst des Choreografen Radek Stopka und des Balletts der Staatsoperette im tänzerischen und bewegungsmäßig verblüffend gut gelungenen Zusammenspiel mit dem Chor und dem großen Ensemble. […]

Viel Zwischenapplaus und am Ende stürmische Begeisterung in der Staatsoperette, im Dresdner Kraftwerk Mitte, das mit dieser Inszenierung zum Kraftwerk der Gefühle wird.

 

Jens Daniel Schubert - Sächsiche Zeitung

Eliza und die Emanzipation

Die neue Inszenierung des Musicals „My fair Lady“ an der Staatsoperette ist nicht nur vordergründig modern. Das kommt an! […] Das Ritschel-Team, mit Barbara Blaschke als Mitausstatterin und Ronny Scholz als konzeptionell Mitarbeiter, holt die „Lady“ tatsächlich ins Heute. Aus Blumenmädchen und Obsthändlern werden Straßenkünstler im lebendiges-Denkmal-Look. Die Müllleute um Vater Dolittle tragen rote Overalls und träumen ebenso ohrenbetäubend wie mitreißend auf ihren Blechtonnen. Das moderne der Inszenierung ist jedoch der Blick auf die Hauptfiguren, insbesondere der Eliza. Dabei bleibt die Inszenierung der Geschichte treu. […]

Es ist die anrührende Aschenputtel-Geschichte, sozialer Aufstieg verknüpft mit Liebe, die zu Herzen geht. Selbst wenn, so dass Original, die selbstbewusste Eliza am Schluss ihrem Professor die Pantoffeln bringt. Doch Ritschel wäre nicht der gute Regisseur, als der er nicht nur in und um Dresden gefeiert wird, wenn er nicht auch hier genau hinsehen würde. Bei ihm ist es nicht die Liebe zu Higgins, die Eliza erstmals jenes „Es grünt so grün“ erklingen lässt, sondern sie holt den Erfolg aus sich, ringt um das Ziel, um die Verwirklichung ihres Traumes. Sie hätt‘ getanzt heut Nacht, aber nicht mit Higgins. Es ist ein Tänzer mit der Rose aus dem Schaufenster vom Anfang, das ihre Traumwelt symbolisiert und, anders als man meint, gar nicht undurchdringlich abgeschlossen ist. 

Wenn sie das enge Straßenbild verlässt, sich die Bühne öffnet, landet sie nicht in einer bücherverstopften Gelehrtenwelt. Higgins Studio ist ein großer Saal mit unzähligen Türen, Schachbrettfußboden und einer gewaltigen Ledersofasitzgruppe auf leuchtendem Glaspodest, um die sich alles dreht. Auch das ist mehr als nur ein ästhetisch reizvoller Raum, den Ritschel mit verblüffende Präzision wir spielen lässt. Es gibt keine Logik in den Türen, der Boden verdreht sich und Eliza lernt es, selbstsicher und zielstrebig auf diesem ungewollten Grund zu gehen. Der Rennplatz in Ascot und der Ballsaal sind überaus gelungen Varianten des gleichen Bildes. Am Schluss lässt Eliza den bekehrten Higgins ebenso ins Leere laufen wie den tatbereiten Freddy, weil der Blumenladen nun im Mittelpunkt steht.

Man kann bei Ritschel genau die Geschichte sehen, die man erwartet. […] Man kann die Räume aber auch als Laboratorium lesen und sich mit Eliza auf die Suche nach dem wesentlichen, Emanzipation und Selbstverwirklichung, begeben.

 

Boris Gruhl - www.musik-in-dresden.de

Der Mensch als Kunstwerk

Dass sich Wolfgang Schaller für die Neuinszenierung den Regisseur Sebastian Ritschel wünschte, hat seine Gründe. Denn Schaller wünschte sich eine zeitgemäße Inszenierung. Dass Ritschel es versteht, sogenannte Klassiker zeitgemäß auf die Bühne zu bringen, hat der Operndirektor an den Landesbühnen Sachsen mehrfach gezeigt. […]

Und er selbst hatte ja schon zu Beginn dieser Saison zu seinen Plänen gesagt: „Ich möchte versuchen, eine Erzählweise zu finden, die sich heutiger Bilder bedient, ohne jedoch das Stück zu verbiegen.“ Er kündigte eine zeitlose Lesart dieser Geschichte zwischen Eliza und Higgins an, „irgendwo zwischen Pygmalion, Aschenputtel und Pretty Woman“. Und weil nun in der dritten Inszenierung immer auch der Geist des Moralisten, des Clowns und Kritikers George Bernard Shaw hindurchblitzt, nach dessen Komödie »Pygmalion« das Musical von Jay Lerner und Frederick Loewe entstand, kann man nur sagen, dass manchmal eben doch aller guten Dinge drei sind. Ohne Wenn und Aber: was da auf der Bühne abgeht, ist grandios! […]

Higgins hat aus der Blumenverkäuferin eine Prinzessin gemacht, ein Kunstwerk nach seinem Bilde. Von der Kunst aber, ein Mensch zu sein, ist er weit entfernt.

 

Nicole Czerwinka - Dresdner Neueste Nachrichten

Eine Spielplanlegende feiert Premiere

In der Regie von Sebastian Ritschel zieht die turbulente Komödie um den wissenschaftsverbissenen Phonetik-Professor Higgins und das freche Blumenmädchen Eliza Doolittle als flotte Neuinszenierung ins Kraftwerk Mitte ein. […]

Ohne sich von alten Vorbildern unnötig beeinflussen zu lassen, verleiht Sebastian Ritschel der Story nach George Bernhard Shaws „Pygmalion“ nun modernen Charme, verzichtet dabei aber nicht auf jenen Showglimmer, der das Ganze zu einem Theatererlebnis für alle Sinne macht. Er lässt Eliza in einer schicken Geschäftsstraße Londons auf Henry Higgins treffen, wo sie dank einer Altherrenwette des Professors mit Oberst Pickering zum lebendigen Forschungsgegenstand wird. […]

Spannungsvoll, dynamisch und mit allerhand Wortwitz geht es zu, wenn Higgins die Kleine bis zur Erschöpfung mit seinen Sprachübungen drillt, wenn dabei auch – und das ist durchaus ein zeitloses Thema in dem Stück – zwei soziale Schichten und Lebenswelten aufeinandertreffen. Ritschel zeigt dies anfangs schon an der steinig grauen Kleidung der Straßenkünstler. Elizas Vater Alfred poltert mit seiner Müllmannbrigade vom Zuschauerraum laut trommelnd im Dialekt der einfachen Leute in die Shoppingstraßenszene. Higgins’ Haus gleicht eher einem Hightech-Labor, denn einem gemütlichen Heim. Auf der Rennbahn in Ascot dominieren Hüte, im Ballsaal glitzernde Roben die Fassaden und immer wieder fahren noble Schaufenster ein, die von Wohlstand flüstern (Ausstattung: Ritschel und Barbara Blaschke). […] Nicht zu vergessen Ballett, Chor und Statisterie der Staatsoperette, die als Passanten, Dienstboten wie Damen und Herren der feinen Gesellschaft opulente Bilder und eine lebhafte Szene bescheren.